Köpfchen hoch, Brust raus ...

Reinhard Beldes Farbe ist: Gelb. Die hat ihm schon einiges eingebracht. Und das hat zu tun mit seinem Hobby. Der Greppiner züchtet Kanarienvögel. Was da munter singt und noch munterer in der Voliere im Garten flattert - alles intensiv gelb.

Mit Hähnen aus seiner Zucht ist er jetzt Deutscher Meister geworden - das heißt, von mehr als 1 000 Kanarienvögeln ist seiner der beste gewesen. Und Reinhard Belde hat mit seiner Zucht schon ganz andere Preise eingeheimst, er war unter anderem Dritter bei Europameisterschaften geworden und Vizelandesmeister.Fast immer sind es die Hähne, die Preise einfahren. Das ist nicht ungewöhnlich. Sie sind kräftiger und sie können sich einfach besser in Szene setzen: Köpfchen hoch, Brust raus - so einfach ist das. Offenbar ist was dran an der Redewendung vom stolzen Hahn.

Viele Urkunden und Plaketten zieren Beldes kleines Vogel-Reich, das er sich im Anbau seines Hauses in Greppin geschaffen hat. Hier sind die Hähne und Hennen, die sich paaren und die nächsten Meister ausbrüten sollen, in 18 geräumigen Käfigen quasi in Zwangsehe untergebracht. Und hier in seinem Reich sitzt er selbst ganz oft zurückgelehnt im Sessel, das ist dann ein bisschen wie Urlaub, auf den er wegen seinem Hobby sonst verzichtet. Hier sitzt er dann also und guckt und sinniert und lauscht dem Gesang seiner Lieblinge. Denn Kanarien singen, sie zwitschern nicht nur.

Die anderen Vögel, die jetzt nicht zur Zucht gebraucht werden, sind draußen in einer großen Voliere. Denn es taugen dafür nur bestimmte Tiere - nur die mit den allerbesten Eigenschaften. Und auch da darf nicht jeder, sondern nur die, die im Vorjahr geschlüpft sind. Dass zweimal der selbe Vogel unter den Augen der Wertungsrichter sitzt, das ist so ausgeschlossen. Und trotzdem, sagt Belde, liegt es nicht nur allein in der Natur. "Man muss auch ein Stückchen Glück haben." Und natürlich Geduld. Allein auf seinen jetzigen Deutschen Meister hat er sechs Jahre hingearbeitet. "Und wenn der plötzlich keine Lust hat und bei der Begutachtung durchhängt, dann hat man Pech", berichtet er. Er kennt nämlich auch sowas.

Schon als Kind war Reinhard Belde fasziniert von den kleinen Sängern. In der Straße, in der er wohnte, züchtete jemand diese Vögel. "Da war ich oft und habe dann auch angefangen mit den Kanarienvögeln. Aber damals habe ich alles durcheinander gezüchtet", blickt er zurück. Das änderte sich, als er Jahre später in Greppin - dem Zufall sei Dank - wieder in seiner Straße auf den Züchter Bernd Rahms stieß. Der nahm ihn mit zum Kanarienverein Bitterfeld. Seitdem macht Belde das ganze unter einem neuen Aspekt - professioneller, erfolgreicher.

Denn zur Vereinsarbeit gehören Erfahrungsaustausch, Vorträge, Fachsimpelei, das Ausrichten von Ausstellungen und anderes mehr. Und richtig dolle Unterstützung kriegt er von seiner Enkelin und seinem Zuchtfreund Stefan Kühnel aus Reuden. Außerdem, sagt er, öffnete die Wende vor über 20 Jahren auch hier Türen. "Plötzlich konnten wir auch Vögel von Weltmeistern kaufen. Wir sind als kleine Sparte sehr gut. Wir stehen im Land gut da und deutschlandweit sind wir auch nicht die schlechtesten."

Jetzt ist die Zeit wieder ran, in der die Kanarien ihre Nester bauen. Dazu hängt der Züchter ihnen Schälchen an die Käfige, die aussehen wie kleine Küchensiebe. Dann polstern sie die emsig aus, legen ihre Eier rein und brüten. Nach 13 bis 16 Tagen sind die Eierschalen kaputt und die Jungen im Nest. Und dann beginnt die Suche nach dem künftigen Meister der Kanarienvögel wieder von vorn.

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Gloster-Kollektion holt Titel

Der Landesverband der Vogelliebhaber und Züchter Sachsen-Anhalt hatte zur 19. Landesmeisterschaft geladen. Ausrichter war der Kanarienzuchtverein Bitterfeld. "Wir führen gleichzeitig eine Regionalschau durch und ehren die schönsten Tiere", erklärte Stefan Kühnel, stellvertretender Ausstellungsleiter.

Bereits am Mittwoch wurden die 556 teilnehmenden Vögel eingeliefert und in standardisierten Käfigen in der Halle untergebrachtt. "Jeder Käfig ist 30 Zentimeter breit, 20 Zentimeter tief und 30 hoch - das sind die Vorschriften", erklärt Kühnel. Am Donnerstag bewerteten dann fünf Preisrichter die Schönheit der Tiere. Form und Größe, Haltung, Gefieder und Farbe flossen in die Punktzahl ein. 100 Punkte kann jedes einzelne Tier theoretisch erreichen. "Diese Punktzahl wird aber nicht vergeben", erklärt Werner Götze. Er ist der zweite Vorsitzende im Landesverband und Vorsitzender im Vogelzuchtverein Halle. Bei dieser Schau waren 92 Punkte das beste Ergebnis eines Vogels.

Die Kanarienvögel wurden als Einzeltiere oder in so genannten Kollektionen von vier Tieren bewertet. Unter Tageslichtlampen müssen die kleinen gefiederten Freunde dann ihr Bestes geben. "Das Gefieder muss richtig sitzen und sie dürfen nicht zu aktiv, aber auch nicht zu ruhig sein", so Kühnel, der selbst zwei Landesmeistertitel und zwei Pokale als Regionalmeister mit nach Hause nehmen kann. Mit 30 Tieren nahm er an der Veranstaltung teil. Die vier Gloster-Weibchen sind sein ganzer Stolz. "Und Weibchen benehmen sich meist besser als ihre männlichen Kollegen", verrät der Fachmann.

Der Gloster gehört zu den kleinen, glatt befiederten Kanarienrassen und mit einer Punktzahl von insgesamt 365 Punkten freut sich der Züchter über die zweitbeste Wertung der Schau.

Seit 1969 gibt es den Bitterfelder Verein. Vogelausstellungen und Meisterschaften gab es von Anfang an. Aus der damaligen Bezirksmeisterschaft ist inzwischen die jährlich stattfindende Regionalschau geworden. "Daran schließen wir immer eine öffentliche Vogelausstellung an. Schließlich wollen wir uns auch präsentieren", sagt Kühnel. Und die Besucherzahlen sprechen in diesem Jahr für sich. Über dreihundert Vogelfreunde reisten aus ganz Sachsen-Anhalt nach Greppin. Unter ihnen auch Familie Lüdtke aus Weißandt-Gölzau. Diese Vogelfreunde beherbergen selbst zwanzig Kanarienvögel. "Wir halten die Vögel als Hobby, weil sie so schön singen", erklärt Walburga Lüdtke. In der Greppiner Fechthalle wollen sie sehen, welche Farbkombinationen und Typen es gibt. "Wenn uns ein Vogel ganz besonders gefällt, nehmen wir ihn vielleicht mit", verrät Peter Lüdtke. Denn zum Kauf stehen einige der gefiederten Freunde an diesem Wochenende auch.

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